Aktionismus

Vor kurzem kam unser Verkehrsminister ja auf die Idee, daß es einfacher werden solle, auf Hauptstraßen ne 30 hinzustellen (Link). Ich kenne durchaus Beispiele wo 30 gerechtfertigt ist, wenn die Straßen klein sind zum Beispiel und man nicht damit rechnet daß dort 50 sein könnte (Spanische Allee, Schütte-Lanz-Str., Königin-Luise-Str., Hildburghauser Str.). Ich kenne sogar wirklich vereinzelt Beispiele wo zur Schulzeit 30 sinnvoll wäre und 50 gilt (Lepsiusstr, Ostpreußendamm). Andersrum kenne ich allerdings viel mehr… (zB Clayallee, Bundesallee, Grazer Damm, Drakestr. (nur der ganz südliche Teil), sowie vor allem die ganzen unsinnigen nächtlichen Limits die anscheinend zufällig verteilt werden, zB Goerzallee, Kaiser-Wilhelm-Str., Altensteinstr., Osdorfer Str., Leonorenstr., nochmal Grazer Damm, Boelckestr. ist praktisch nur noch zwischen 18-22 Uhr normal befahrbar, na immerhin, ansonsten 30… Es geht endlos weiter).

Sprich, in Berlin ist 30 ja sowieso schon an allen möglichen Stellen der Fall, egal ob sinnvoll oder nicht. Und jetzt soll es noch einfacher werden solche Schilder aufzustellen? Mit großer Euphorie bewirbt unser Ministerium für Stadtabwicklung seine Experimente in einer Broschüre, die im wesentlichen nur aussagt daß in rund 80% der Fälle die gefahrene Geschwindigkeit gesunken ist, aber daß bislang nicht mal untersucht worden ist, ob dadurch die Verkehrssicherheit steigt, außerdem die Lärmbelastung um sensationelle 1-3db gesunken ist (kann man das überhaupt zuverlässig messen?), und bei der Schadstoffbelastung die Qualität des Verkehrsflusses sowieso einen größeren Einfluss hat als die gefahrene Geschwindigkeit. Ist ja nun auch nicht allzu schwer nachzuvollziehen, daß Autos im höchsten Gang am sparsamsten sind und man diesen Gang halt bei 30 nicht verwenden kann. Immerhin sind die Anwohner anscheinend happy – ist ja toll, aber was ist mit den Leuten die täglich auf der Straße unterwegs sind?

Was übrigens ein weiterer Aspekt ist, den in Berlin keinen interessiert, ist der wirtschaftliche Schaden der durch geringere Geschwindigkeiten angerichtet wird. Hier mal eine Beispielrechnung, wenn eine mittelmäßig befahrene Straße (20.000 Kfz/Tag) auf 500m von 50km/h auf 30km/h reduziert wird:

Für 500m braucht man mit 30km/h genau eine Minute. Bei 50km/h sind es nur 36 Sekunden, macht 24 Sekunden Unterschied. Ergibt bei 20.000 Fahrzeugen eine Zeitverlust von insgesamt 133,3 Stunden jeden Tag, mal Mindestlohn von 8,50€ pro Stunde also 1133,33€ Zeitverlust in dem die Leute hätten arbeiten oder ihre Freizeit genießen können. Hochgerechnet auf ein Jahr ergibt das einen wirtschaftlichen Verlust von 413.666,66€ (fast ne halbe Million)! Hätten die Leute in der Zeit ihrer Arbeit nachgehen können statt durch die Stadt zu schleichen zu müssen, könnte damit die eine oder andere Schule renoviert werden. Und der Zaun, der die Schule von der Straße trennt, und die Ampel direkt vor der Schule, die eine sichere Querung ermöglicht, wäre bei diesem Betrag dann auch noch mit drin. Naja bekanntes Problem, Verluste werden verteilt und die Verwaltung verrennt sich im Aktionismus. Ach ja, Thema Aktionismus: sie machen trotzdem munter weiter.

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