Russische Blitzer

Es scheint da eine Art Wettstreit mit der Brandenburgischen Polizei zu geben über die beste Blitzer-Tarnung. Die Russen bieten das hier – Mülltonnen mit Blitzer gibts in Brandenburg zwar schon lange, aber das Verkehrsschild für freie Fahrt auch noch mit ner Kamera auszustatten ist nun wirklich abenteuerlich. Vor allem da es mein Lieblingsverkehrsschild ist… 🙂

Kurztest Opel Astra J

Aufgrund unglücklicher Umstände, vulgo Getriebeschaden, bin ich kurzfristig und kurzzeitig in den Besitz eines fabrikneuen Astra J Sports Tourer gelangt. Zeit, mal ein paar Worte über ihn zu verlieren.

Meine erste Erfahrung mit dem Auto war, daß ich mir beim Lösen der Handbremse erstmal die Finger einklemmte. Etwas später erfühlte ich dann auch die recht scharfkantigen Metalleinsätze des Lenkrads. Der nächste Eindruck war, daß man irgendwie tief sitzt – doch erfreulicherweise war der Sitz höhenverstellbar. Das gibts in meinem Schlitten nicht! Gut gelaunt stellte ich fest daß der Astra gerade mal 10km insgesamt auf der Uhr hatte. Also einmal vom Händler zur Tankstelle und dann zur Autovermietung. Einerseits natürlich nett, ein so neues Auto bin ich noch nie gefahren (erinnert mich an den Car2Go-Smart letztens, der nicht einen einzigen Kratzer hatte, sowas hab ich noch nie erlebt, normalerweise ist es eine endlos lange Liste an Vorschäden), andererseits auch etwas schade, weil ich dem brandneuen Fahrzeug nun doch nicht gleich meine übliche Fahrweise zumuten wollte. Die 2-Zonen-Klimaautomatik bereitete viel Freude bei etwa 40° im Schatten – nichts zu bemängeln, sehr gut.Foto0096

Jedesmal wenn ich ein mir unbekanntes Fahrzeug fahre, mache ich mir ja einen Spaß daraus, anhand des Beschleunigungsvermögens die Leistung abzuschätzen. Ich vermutete so etwa 100 turbounterstützte Benzin-PS. Den Turbo hatte er tatsächlich, da lag ich richtig. An PS waren es allerdings 140. Doch von denen waren bei zivilen Drehzahlen nicht viel zu merken, das dürfte wohl einerseits am geringen Hubraum von 1.4l liegen, andererseits auch am stattlichen Leergewicht von gut 1.650kg. Naja, irgendwie erreicht die Kiste auch ihre 200km/h, also passt schon.

Kommen wir zu den Details, die mir an Ausstattung fehlten, und die ich den Opel-Entwicklern ans Herz legen möchte.

  • Das Auto verriegelt nicht automatisch die Türen wenn man losfährt. Das ist in Berlin absolut wichtig, wie meine bisherigen Erfahrungen gezeigt haben. Muss man also dran denken.
  • Dazu kommt, dass der Schalter zum Türen verriegeln unbeleuchtet ist und aufgrund der Gleichförmigkeit der diversen Knöpfe auch nicht erfühlt werden kann.
  • Und außerdem entriegelt der Wagen nicht wenn ich den Schlüssel aus dem Zündschloss abziehe.
  • Und tatsächlich ist ungefähr die Hälfte der Schalter unbeleuchtet wenn kein Licht an ist – ziemlich unpraktisch wenn man in der Tiefgarage rangiert und eigentlich kein Licht braucht, aber die Schalter dann nicht sehen kann.
  • Der Schalter für die Spiegelverstellung ist in abenteuerlichem Winkel verbaut, intuitiv eher schlecht benutzbar.
  • Die Parksensoren piepsen hyperaktiv vor sich hin und schalten sich in den unmöglichsten Situationen automatisch ein. Beispielsweise piepte es manchmal wenn an der Ampel hinten einer dicht auffährt. Muss das sein? Ich meine, der Computer weiß doch wann sich das Auto bewegt. Warum piepsen wenn es sich nicht bewegt?
  • Ich bin jemand der normalerweise keine Navis verwendet. Ich fand es ganz nett, die automatisch mitscrollende Karte neben mir zu haben. Aber um eine Route einzugeben war mir die Bedienung zu undurchsichtig und zu langsam. Und warum ist das eigentlich kein Touchscreen? Schade dass die angezeigte Tastatur mithilfe eines Drehschalters bedient werden muss…
  • Sowieso die Bedienung von dem Multimediazeug… Kann man eigentlich das Radio ausschalten während die Karte angezeigt wird? Ich habe es nicht geschafft und einfach die Lautstärke auf null gestellt. Als ich dann doch mal Radio hören wollte, habe ich nicht herausgefunden, wie man die Frequenz einstellt. Da ich keine Lust hatte dafür während der Fahrt das Handbuch zu lesen, habe ich halt kein Radio gehört. Naja gibt schlimmeres.
  • Das Auto piepst wenn eine Tür geöffnet ist, aber nicht wenn ich vergesse das Licht auszuschalten. Wäre mir andersrum irgendwie lieber.
  • Ich konnte während der Fahrt nicht feststellen wie der Tempomat zu benutzen ist. Als im Handbuch irgendwas von Bremsen zum aktivieren auftauchte, habe ich aufgegeben.
  • Gut gelöst ist die Kofferraumabdeckung, zusätzlich zu offen und geschlossen gibt es noch eine dritte Raste an der oberen Seite des Kofferraums, in der die Abdeckung schräg geöffnet ist. Sehr praktisch zum beladen, wenn man sich nicht vorstrecken möchte um die Abdeckung komplett zu öffnen. Hoffen wir dass der Mechanismus langlebiger ist als er aussieht.
  • Unter Kuriositäten verbuche ich einfach mal, dass anscheinend eine Coming-Home-Funktion existiert, diese aber nur die Kennzeichenbeleuchtung aktiviert lässt. Vorne ist kein Licht.
  • Das Fahrwerk geht so. Ich hätte mir allerdings unter einem Sports Tourer etwas anderes vorgestellt. Es ist relativ weich, dadurch recht komfortabel (im Gegensatz zu den Sitzen, ein typisches Opel-Problem übrigens), allerdings schwankt der Wagen stark bei höheren Geschwindigkeiten und Seitenwind. Die Stabilisierung ist unzureichend (hat er überhaupt Stabis?). Ziemlich erschreckend ist das Verhalten bei scharfen Bremsungen aus hohem Autobahntempo. Hier ist ordentlich Lenkarbeit gefragt, damit die Kiste nicht zu einer Seite wegzieht. Sofern das Lenkrad nicht absolut gerade steht, wackelt das Fahrzeug dabei ordentlich hin und her. An der Bremsleistung selbst ist nichts auszusetzen, es scheint auch irgendein Assistent dabei zu sein, der die Bremsleistung maximiert wenn man das Pedal schnell, aber nicht voll durchdrückt. Brauch ich nicht, aber schaden wirds wohl auch nicht.
  • Die Kupplung ist sehr gut dosierbar im Vergleich zu meinem Auto. Anfahren am Berg ist sehr leicht und ruckfrei möglich. Das Fahrzeug hatte manuelles Getriebe und eine normale Handbremse, und war mit Abstand das am präzisesten kontrollierbare Fahrzeug beim Befahren von Steigungen das ich je hatte.
  • Bei plötzlichem Gaswegnehmen bei hoher Last und Drehzahl kommen sehr merkwürdige Geräusche vom Turbo. Kann normal sein, klingt aber irgendwie leicht beängstigend.
  • Ansonsten fehlten mir manche Ausstattungsdetails, an die ich mich schon gewöhnt hatte: Regensensor, getönte Heckscheibe, automatisch abblendender Innenspiegel, Nebelscheinwerfer, Allrad. Dafür gab es zusätzlich Tagfahrlicht, hab ich selber nicht. Ist ganz nett.

So, nach der ganzen Detailkritik muss ich jetzt doch mal an einer Stelle ein ganz großes Lob aussprechen, und das bezieht sich auf den Spritverbrauch. Ich bin es gewohnt daß bei mir eigentlich alle Autos viel verbrauchen, selbst 75-PS-Kleinwagen bekomme ich üblicherweise auf über 10l/100km. Nicht so der Astra. In meinem typischen Mischverbrauch aus Stadt-Kurzstrecke und Autobahn-Vollgas lag er regelmäßig bei ungefähr 9l/100km (Herstellerangabe kombiniert 5,9l/100km). Respekt! Denn mein eigener Wagen genehmigt sich ungefähr 14l/100km bei ähnlicher Fahrweise, trotz nur etwas höherer Leistung (180PS).

Fahrtraining

Vor kurzem war ich beim ADAC zum Motorradtraining in Linthe gewesen. Im Gegensatz zum Autotraining, was ich letztes Jahr mitgemacht hatte, war das Motorradtraining erkenntnisreicher und damit auch vom Preis-Leistungs-Verhältnis deutlich stimmiger. Was habe ich mitgenommen?

Zunächst ein Überblick, was gemacht wurde:

  • anfangs etwas Bewegungsübungen während der Fahrt, z.B. freihändig fahren, aufstehen etc.
  • danach Slalom mit etwa 50 km/h, dabei verschiedene Techniken ausprobieren, auch inwieweit man ohne den Lenker zu verwenden die Maschine kontrollieren kann (Antwort: fast gar nicht)
  • anschließend Zielbremsung und Vollbremsung aus 50 km/h, auch auf unterschiedlichen Straßenoberflächen
  • und vor der Mittagspause Übungen in Schrittgeschwindigkeit.
  • Es folgten Ausweichhaken bei etwa 50 km/h,
  • ein paar Runden auf der Go-Kart-Bahn, um Blickführung und Kurvenhaltung zu trainieren,
  • dann ein paar Runden auf der größeren Rennstrecke
  • und Schräglagenversuche in der Kreisbahn, auch mit Ausweichen in Schräglage und Bremsen.

HondaFür mich am interessantesten war eigentlich, dass obwohl ich fast alle Übungen zumindest irgendwie fahren konnte, mir immer Details in der Technik fehlten, die ich so vorher nicht wahrgenommen hatte. Daher war das Training sehr aufschlußreich für mich. Im Detail erinnere ich mich z.B. an:

  • beim Bremsen muss man nicht unbedingt viel Kraft mit den Armen abfangen, es reicht den Oberkörper anzuspannen
  • die Haltung der Füße beim Kurvenfahren, daß der Ballen auf den Rasten steht. Damit erledigen sich gleich mehrere Probleme, z.B. kann man den Fuß nicht versehentlich schräg stellen, man hat eine bessere Kontrolle, fängt es links an zu schleifen kann es sonst passieren, daß man versehentlich einen Gang hochschaltet, es fällt einfacher das kurveninnere Bein etwas vorwärts zu bewegen
  • die Hinterradbremse hat bei einer Vollbremsung fast keinen Effekt bei meiner Maschine. Konzentration auf die Vorderradbremse ist sinnvoller
  • an Schräglage geht viel mehr als ich dachte, auch ausweichen in Schräglage ist nicht allzu problematisch – danach die richtige Spur wiederzufinden allerdings schon!
  • was Langsamfahren betrifft, fehlt noch einges an Übung. Schnell ist leichter 🙂
  • freihändig zu fahren hatte ich mich vorher nicht getraut – jetzt weiß ich daß es kein Problem ist bei der richtigen Geschwindigkeit. Natürlich hat man dann fast keine Kontrolle mehr über die Maschine.
  • in der Kurve einen etwas höheren Gang zu wählen verringert Lastwechselreaktionen. Ich hatte mich da schon so sehr dran gewöhnt, eher hochtourig zu fahren, da fiel mir das gar nicht mehr auf – aber es ist tatsächlich entspannter wenn man die Kurve mit niedrigerer Drehzahl nimmt.
  • Vielleicht die interessanteste Erkenntnis – die anderen Leute hatten ganz ähnliche Problem wie ich. Die Atmosphäre war sehr angenehm, es herrschte kein Wettbewerb oder so, man konnte sich in Ruhe darauf konzentrieren die eigene Technik zu verbessern.

Insgesamt ein sehr gelungenes Konzept. Man hat Spaß und lernt einiges dazu. Was man bedenken sollte: Es ist anstrengend, vor allem da ja noch die Anfahrt hinzukommt. Man sitzt den Tag also mindestens 10 Stunden auf der Maschine. Aber es lohnt sich.

B101 bei Luckenwalde

b101Ein Detail, das mich immer wieder verwundert, sind die Auffahrten der B101 bei Luckenwalde (hier). Die Straße wird dort 1,5-spurig geführt, aber die Auffahrten sind exakt so angelegt, dass der einmündende Verkehr sich in den einspurigen Bereich einfädeln muss, nur um sich 20 Meter weiter wieder auf zwei Spuren zu verteilen. Welchen Sinn soll das denn ergeben…

Hätte man die zweite Spur nicht einfach noch die paar Meter weiter ziehen können? Eine sicherlich überschaubare Investition, die sich eventuell schon amortisiert hätte, wenn damit auch nur ein einziger Unfall beim Einfädeln vermieden wird. Auf dem Foto wird deutlich, wie unsinnig sich das für den Auffahrenden präsentiert.

Unterm ICC

Wart ihr mal unterm ICC? Heute kaum noch befahren, schlummert dort ein Musterbeispiel an 70er-Jahre-Verkehrsplanung vor sich hin, das in erstaunlich gutem Erhaltungszustand die Zeit überdauert hat. Die Einfahrt befindet sich am Messedamm, Fahrtrichtung Süd (siehe hier). Ursprünglich sollte das ICC übrigens auch mal an die U-Bahn angebunden werden (Details hier), dadurch erklärt sich der Fußgängertunnel unter der angrenzend Kreuzung Messedamm/Masurenallee. Dieser Tunnel ist im selben architektonischen Stil erbaut wie die unterirdische Vorfahrt.

Autobahnfinanzierung

Die SZ schreibt, daß in Zukunft private Kapitalanleger den Straßenbau in Deutschland mitfinanzieren können sollen. Vom Ansatz her ist das vielleicht gar keine schlechte Idee – Geld ist ja genug da, nur an der falschen Stelle. Und wenn dieses Geld dann einmal den Bürgern zugute kommt statt auf irgendwelchen Konten zu verrotten, dann ist das wohl durchaus sinnvoll. Andererseits ist es im Endeffekt natürlich nichts anderes als ein Taschenspielertrick, um die staatliche Neuverschuldung zu senken – ob der Staat einen Kredit aufnimmt und die Bürger ihn über Steuern zurückzahlen, oder ob private Investoren die Infrastruktur auf eigene Kosten bauen, und die Bürger das durch Maut und Steuern finanzieren, kommt ja im Endeffekt auf dasselbe heraus. Trotzdem ist es vielleicht ein guter Impuls, um eine Generalüberholung unserer Infrastruktur einzuleiten.

Was mir dabei wichtig wäre, ist dass der Staat die Oberhand behält in diesen Projekten. Partnerschaften zwischen Staat und Privatunternehmen (PPP) haben sich als kontraproduktiv herausgestellt, es wurde im Normalfall teurer als wenn der Bund den Bau alleine bezahlt hätte (siehe zB hier). Solange das gewährleistet bleibt, klingt es nach einem guten Experiment für die Finanzierung – ob es in der Praxis funktioniert wird sich zeigen.